Im Inneren einer versteckten Industrie

Die deutsche
Schlachtindustrie

Die größten Konzerne, ihre Umsätze und Veröffentlichungen über die Schlachtindustrie.

Ein beispielloses Ausmaß

Die Schlachtindustrie ist eine bedeutende Industrie im deutschen Ernährungssystem – und besitzt in der Lieferkette für Fleischprodukte eine hohe Marktmacht.

Auch innerhalb der Schlachtindustrie selbst verfügen die großen Player über eine enorme Marktkonzentration. Und nicht zuletzt ist die Schlachtindustrie zunehmend räumlich konzentriert: insbesondere zwischen Ruhr und Weser, im Oldenburger Münsterland in Niedersachsen sowie in Nordrhein-Westfalen, werden die meisten Tiere gehalten und auch geschlachtet.

Die größten Akteure

Mit Abstand größter Schlachtkonzern ist Tönnies, seit 2025 heißt der Konzern „Premium Food Group". Mit Sitz in Rheda-Wiedenbrück, ist Tönnies Marktführer bei der Schweineschlachtung und schlachtet außerdem Rinder. Bei Rinderschlachtungen ist noch der Konzern Vion Marktführer, der sich allerdings aktuell aus dem deutschen Markt zurückzieht. Daneben besitzt Westfleisch bei Schweine- und Rinderschlachtungen bedeutende Marktmacht. Bei Geflügelschlachtungen ist die PHW-Gruppe, unter anderem bekannt unter der Marke Wiesenhof, der größte Player.

Wichtig zu wissen: Ein erheblicher Anteil der Schlachtprodukte werden gar nicht in Deutschland konsumiert, sondern international exportiert.

Tönnies-Stammwerk
Tönnies-Stammwerk in Rheda-Wiedenbrück (2006)
Credit: Daidalus / CC BY-SA 3.0

Machtverhältnisse im Überblick

Marktkonzentration

Die Marktanteile der größten Konzerne sind seit 2009 deutlich angewachsen.

Umsatzanteil der größten Konzerne der Geflügelindustrie (2009 und 2023)

2009 – UnternehmenUmsatz in Mio. €2023 – UnternehmenUmsatz in Mio. €
PHW-Gruppe2.030PHW-Gruppe4.033
Stolle705Rothkötter-Gruppe1.700
Sprehe-Gruppe700Sprehe-Gruppe950
Rothkötter-Gruppe570Heidemark713
Heidemark500Plukon620
Velisco250Vossko221
Top-6-Unternehmen68,9 %Top-6-Unternehmen79,2 %

Marktanteile der größten Rinderschlachter (2009 und 2023)

2009 – UnternehmenMarktanteil2023 – UnternehmenMarktanteil
Moksel/Vion11,7 %Moksel/Vion18,6 %
Westfleisch8,2 %Westfleisch12,7 %
Gausepohl8,2 %Tönnies12,0 %
Müller8,2 %Müller9,3 %
Tönnies7,9 %Danish Crown6,8 %
Südfleisch-Holding6,5 %Bahlmann5,2 %
Top-6-Unternehmen50,7 %Top-6-Unternehmen64,6 %

Marktanteile der größten Schweineschlachter (2009 und 2024)

2009 – UnternehmenMarktanteil2024 – UnternehmenMarktanteil
Tönnies23,6 %Tönnies29,6 %
Westfleisch11,1 %Westfleisch15,5 %
Vion10,2 %Danish Crown6,2 %
D & S Fleisch6,2 %Vion5,4 %
Moksel4,0 %Böseler Goldschmaus4,1 %
Vogler-Fleisch3,4 %Müller Fleisch3,9 %
Top-6-Unternehmen58,5 %Top-6-Unternehmen64,7 %

Quellen

Monopolkommission (2025): "Wettbewerb in der Lebensmittellieferkette." Online: monopolkommission.de (zuletzt abgerufen: 05.02.2026).

Schafe und Lämmer

Bei den Schlachtungen von Lämmern und Schafen ist der Schlachtbetrieb Baumann in Viernheim (Südhessen) Marktführer.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung (2023): Ortstermin im Lammschlachthof, https://www.faz.net/aktuell/karriere-hochschule/unternehmergespraech/ortstermin-in-lammschlachthof-schafhaltung-ist-der-problemloeser-18795617.html

Was sind die umsatzstärksten Schlachtkonzerne?

Branchenumsatz

26 Milliarden Euro

Umsatz mit Schlachtungen im Jahr 2024

Ranking der größten Konzerne der Schlachtindustrie nach Gesamtumsatz (2024)

  1. 1
    Tönnies (Premium Food Group)Umsatz: 7,8 Mrd. €
  2. 2
    PHW-Gruppe (Wiesenhof)Umsatz: 4,0 Mrd. €
  3. 3
    WestfleischUmsatz: 3,4 Mrd. €
  4. 4
    Vion Food Group GermanyUmsatz: 2,0 Mrd. €
  5. 5
    Danish Crown GermanyUmsatz: 1,833 Mrd. €
  6. 6
    Rothkötter-GruppeUmsatz: 1,8 Mrd. €
  7. 7
    Müller-GruppeUmsatz: 1,125 Mrd. €
  8. 8
    Sprehe-GruppeUmsatz: 970 Mio. €
  9. 9
    Willms-GruppeUmsatz: 933 Mio. €
  10. 10
    Goldschmaus-GruppeUmsatz: 769 Mio. €

Quellen

Allgemeine Fleischer Zeitung (2025): „Das sind die Top 100 der Fleischwirtschaft", https://afz.fleischwirtschaft.de/maerkte/nachrichten/ranking-das-sind-die-top-100-der-fleischwirtschaft-64269 (abgerufen am 13.12.2025).

statista (2025): „Umsatz im Schlachterei- und Fleischverarbeitungsgewerbe in Deutschland nach Segmenten in den Jahren 2008 bis 2024", https://de.statista.com/statistik/daten/studie/76268/umfrage/umsatz-im-schlachtereigewerbe-in-deutschland/ (abgerufen am 19.02.2026).

Geografische Verteilung

Hotspots der Schlachtindustrie in Deutschland

Es gibt in Deutschland einen starken räumlichen Zusammenhang zwischen der Dichte der gehaltenen Tiere sowie der Standorte der Schlachtbetriebe.

Hotspots der Schlachtindustrie

Quelle

Deblitz (2022) „Steckbriefe zur Tierhaltung in Deutschland: Ein Überblick." Hg.: Thünen Institut für Betriebswirtschaft.

Weitere Informationen zur Tierhaltung insgesamt finden sich in den Faktensammlungen von Faba Konzepte zu den Themenbereichen „Tierhaltung, Ernährung und Umwelt", „Tierhaltung, Ernährung und Klima" und „Die Situation der Tiere in der „Nutztierhaltung"" sowie dem Faktencheck mit den beliebtesten Argumenten für die Tierhaltung. → https://faba-konzepte.de/themen/

Dokumentierte Einblicke

Veröffentlichungen über die Schlachtindustrie

Monopolkommission (November 2025): Sondergutachten zum Wettbewerb in der Lebensmittellieferkette

Monopolkommission (November 2025): Sondergutachten zum Wettbewerb in der Lebensmittellieferkette

Die Monopolkommission ist ein unabhängiges Gremium, das die deutsche Bundesregierung, die Legislative sowie die Öffentlichkeit berät. Im Sondergutachten zum Wettbewerb in der Lebensmittellieferkette stellte die Monopolkommission fest, dass die Marktkonzentration „besonders in der Schlachtung und Verarbeitung ein mittlerweile wettbewerblich bedenkliches Niveau" erreicht hat. Weiter schreibt die Monopolkommission zu den Schlachtunternehmen: „Insgesamt ist ein Trend zu stärkerer Marktkonzentration erkennbar. Die sechs größten Anbieter vereinten 2024 zusammen 64,7 Prozent des Marktes auf sich. 2009 lag dieser Wert noch bei 58,5 Prozent. Hinzu kommt, dass sich innerhalb der sechs größten Unternehmen die Anteile zugunsten der beiden führenden Unternehmen verschoben haben."

Und auch zur Rolle bei der Fleischverarbeitung durch die Schlachtunternehmen äußert sich die Monopolkommission: „Viele Schlachtunternehmen betreiben eigene Verarbeitungsbetriebe, in denen sie verschiedene Produkte herstellen und an nachgelagerte Stufen verkaufen. Auch in diesem Bereich kam es zuletzt zu einer weiteren Konsolidierung. So übernahm die ZurMühlen-Gruppe, die Teil der Tönnies-Gruppe und bereits der größte deutsche Wursthersteller ist, den zweitgrößten Anbieter The Family Butcher. In einigen Wurstsegmenten liegen die Marktanteile nach dem Zusammenschluss bei über 40 Prozent und damit oberhalb der gesetzlichen Vermutungsschwelle für eine Marktbeherrschung."

Zur Studie
Germanwatch (Januar 2025): "Super-Emittenten" der Fleisch- und Milchwirtschaft in Deutschland

Germanwatch (Januar 2025): "Super-Emittenten" der Fleisch- und Milchwirtschaft in Deutschland

Die Studie von Germanwatch zeigt, wie erheblich große deutsche Schlacht- und Milchkonzerne die Klimakrise anheizen. Faba Konzepte hat an der Studie mitgearbeitet: Wir liefern erstmals eine Berechnung der Treibhausgas-Emissionen der jeweils zehn umsatzstärksten Schlacht- und Milchkonzerne in Deutschland. Die Studie insgesamt erörtert dazu die generellen klimabezogenen Verpflichtungen der Konzerne – wie die aus der Nachhaltigkeitsberichterstattung im Zuge der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD). Zu den Ergebnissen gehört, dass die Emissionen der zehn umsatzstärksten Schlachtkonzerne und der zehn umsatzstärksten Milchkonzerne im Jahr 2022 rund 61 % der im selben Jahr in Deutschland ausgestoßenen Emissionen durch PKWs entsprachen. Berücksichtigt man bei der Berechnung die Opportunitätskosten, dann steigen die Emissionen der Konzerne sogar auf das 1,5-fache der PKW-Emissionen. Außerdem nimmt die Studie bisherige klimaschutzbezogene Eigenangaben der beiden Marktführer Tönnies und DMK Deutsches Milchkontor näher in den Blick und kommt zu dem Schluss, dass gerade diese beiden Konzerne noch deutlich in Sachen Vollständigkeit, Transparenz und Kohärenz nachbessern müssen.

Zur Studie
Bündnis Gemeinsam gegen die Tierindustrie (2021): Studie „Milliarden für die Tierindustrie - Wie der Staat öffentliche Gelder in eine zerstörerische Branche leitet"

Bündnis Gemeinsam gegen die Tierindustrie (2021): Studie „Milliarden für die Tierindustrie - Wie der Staat öffentliche Gelder in eine zerstörerische Branche leitet"

Das Bündnis Gemeinsam gegen die Tierindustrie hat 2021 zum ersten Mal zahlreiche Fördermaßnahmen zusammengefasst und gezeigt, dass über 13 Milliarden Euro im Jahr aus öffentlichem Geld in die Tierwirtschaft fließen. Dabei unterstützt der Staat die Unternehmen und den Absatz tierbasierter Produkte auf vielfältige Weise. Subventionen für Tierfabriken und Futteranbau, Sozial- und Beratungsleistungen für Tierhalter*innen oder reduzierte Mehrwertsteuer auf Fleisch, Milch und Eier.

Zur Studie
Bundeszentrale für politische Bildung (2021): Zeitschrift »Fleisch« - Aus Politik und Zeitgeschichte Nr. 51-52/2021

Bundeszentrale für politische Bildung (2021): Zeitschrift »Fleisch« - Aus Politik und Zeitgeschichte Nr. 51-52/2021

Mit der Zeitschrift hat die Bundeszentrale für politische Bildung 2021 die Fleischindustrie umfassend beleuchtet, unter anderem mit folgenden lesenswerten Beiträgen:
  • Achim Spiller, Gesa Busch: Wie Tiere zu Fleisch werden. Transformationsherausforderungen der Fleischwirtschaft.
  • Thorsten Schulten, Johannes Specht: Ein Jahr Arbeitsschutzkontrollgesetz. Grundlegender Wandel in der Fleischindustrie?
Zur Zeitschrift
Heinrich Böll Stiftung: Fleischatlas 2021

Heinrich Böll Stiftung: Fleischatlas 2021

Die Heinrich-Böll-Stiftung hat von 2013 bis 2021 regelmäßig den sogenannten „Fleischatlas" herausgebracht, mit Essays und einer Vielzahl von Abbildungen rund um die Fleischindustrie und Fleischkonsum.

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